Die Stiftung

Die Reinhard und Marianne Athenstaedt-Stiftung wurde durch Marianne Athenstaedt im Juli 2000 gegründet.

Die Stiftung ist als gemeinnützig anerkannt. Das Stiftungskapital stammt ausschließlich aus dem Nachlass der Stifterin und beträgt 2015 € 930.000,--. Die Stiftung finanziert sich aus den Erträgen des Stiftungskapitals, privaten Spenden und ehrenamtlichen Leistungen zahlreicher Menschen, die die Idee der Stifterin unterstützen. Alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich, so dass jede Form der Hilfe und alle Spenden zu 100 Prozent dem Stiftungszweck zugute kommen.

Zweck der Stiftung

Zweck der Stiftung ist jede mögliche Förderung von Maßnahmen, die zur Erhaltung und zukunftsfähigen Entwicklung von Völkern und Kulturen, deren Bestehen gefährdet ist, geeignet sind.

Im Mittelpunkt steht das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Stiftung unterstützt Personen und Vereinigungen, denen der selbstverantwortliche Aufbau eines lebenswerten Daseins unter dem Druck der modernen Zeit aus eigener Kraft nicht möglich ist.

Ferner gehören umweltschützende Maßnahmen sowie die Erhaltung natürlicher Ressourcen und die Anregung zu deren sinnvoller Nutzung zu den Aufgaben der Stiftung. Die Aktivitäten der Stiftung schließen rassische, religiöse, politische und soziale Vorbehalte aus.

Gremien

Vorstand

Franz Nitsch, Vorsitzender, Bremen, seit 2000
Evelyn Reuter, stellvertr. Vorsitzende, Rostock, seit 2000
Brigitte Heitmeier, Bremen, seit 2013
Dr. Klaus Schuback, seit 2015

Beirat

Wolfgang Krappe, Cluvenhagen, seit 2000
Uta Pursche, Rostock, seit 2007
Fabian Klose, Gelsenkirchen, seit 2013

Derzeitiger Förderschwerpunkt

Der derzeitige Schwerpunkt der Stiftung liegt auf der Förderung von Selbsthilfemaßnahmen im Hochtal von Zanskar im ladakhischen Himalaya. Die Stiftung unterstützt dort die Aktivitäten der Selbsthilfegruppe SECPADS (Social Education, Cultural, Preservation & Development Society), 1997 gegründet von Mr. Sonam Namgyal, finanziell und ideell.

Zanskar war bis 1834 ein Königreich und ist heute ein Teilgebiet von Ladakh in Jammu & Kashmir, dem nordwestlichsten Bundesstaat von Indien.

Das Gebiet war seit Jahrhunderten weitgehend isoliert und von zivilisatorischen Einflüssen im negativen wie im positiven Sinne abgeschnitten. Die ca. 15.000 Zanskari sind überwiegend tibetischer Abstammung und leben zumeist in den Traditionen des tibetanischen Buddhismus.

Marianne Athenstaedt und wir als ihr Freundeskreis haben uns auf den Reisen nach Zanskar über die örtlichen Probleme und Bedingungen, mit denen die einheimische Bevölkerung ringt, umfassend informiert.

Die Einwohner bei ihren eigenen Anstrengungen zu unterstützen, der Jugend von Zanskar eine lebenswerte Zukunft im eigenen Land zu ermöglichen, gelten unsere Bemühungen.

Hierzu finden Sie viele Reiseberichte im Rückblick.



Die Stifterin


Marianne Schreck wurde 1925 in München geboren. Die Schule schloss sie mit dem Abitur ab, danach folgten Arbeitsdienst, Ausbombung, Evakuierung, Kriegshilfsdienst, Rückführung nach München. Während ihres Chemiestudiums an der Ludwig-Maximilians-Universität, das sie mit dem Diplom abschloss, lernte sie ihren späteren Ehemann Reinhard Athenstaedt kennen. Sie heirateten 1953.
Reinhard Athenstaedt musste das pharmazeutische Familienunternehmen in Bremen übernehmen und so übersiedelte Marianne Athenstaedt mit ihm. Sie trat im Alter von 34 Jahren 1959 in das traditionsreiche, bereits seit dem 15. Juli 1885 bestehende Unternehmen Athenstaedt & Redeker ein. Nach dem plötzlichen Tod ihres Gatten im Jahre 1985 führte sie in der ihr eigenen sozialen und von allen Mitarbeitern geschätzten Art das Unternehmen weiter bis zu ihrem Ausscheiden 1998, nach 40- jähriger Tätigkeit.

Ihr war es ein großes Anliegen, mit der Belegschaft ihrer Firma, mit der sie sich sehr verbunden fühlte, in Kontakt zu bleiben. Deshalb organisierte sie jährliche Treffen mit ihren ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, die sie als Freundeskreis für ihr Hilfsprojekt gewann.
Die Athenstaedt -Nachfolgergesellschaft verlegte 2001 nach Schließung des Produktionsbetriebes den Sitz des Unternehmens von Bremen nach München. Damit wurde für Bremen ein Kapitel traditionsbewußter Kaufmannskultur zunächst abgeschlossen. Nach dem Willen von Marianne Athenstaedt soll aber der Name Athenstaedt in Bremen weiterhin Gutes bewirken. Deshalb gründete sie am 15. Juli 2000 in ehrendem Gedenken an ihren Mann die gemeinnützige Reinhard und Marianne Athenstaedt-Stiftung mit Sitz in Bremen und bedachte die Stiftung testamentarisch. Damit lebt nach 116 Jahren sozial geführtem Familienunternehmen der Name Athenstaedt für Bremen weiter und wirkt in neuer Dimension und in ihrem Sinn auf humanitärem Gebiet.
Nach wie vor trifft sich der Freundeskreis seit dem Tod von Marianne Athenstaedt 2004, weitergeführt von ihrem langjährigen Kollegen Franz Nitsch, der mit großem Engagement in ihre Nachfolge in der Stiftung als Vorsitzender des Vorstands trat und in ihrem Sinne für das Hilfsprojekt der Stiftung in Zanskar/Nordindien, tätig ist.

Gemeinsame Reisen hatten das Ehepaar Athenstaedt stets gen Osten geführt, zunächst viele Male in das alte Jugoslawien. Die Ferne tat sich ihnen erst 1975 mit Sri Lanka auf, damals Ceylon; es folgten China und für Frau Athenstaedt allein Russland, Mongolei, Bhutan, Pakistan, Indien.
1979 kam sie zum ersten Mal nach Ladakh. 1992 kehrte sie in den indischen Himalaya zurück und blieb in dem ehemaligen Königreich Zanskar „hängen“. Jedes Jahr lebte sie einige Monate in der kargen, durch hohe Berge von der übrigen Welt abgeriegelten Gegend in menschenfeindlicher Natur mit den buddhistischen Einwohnern. Sogar einen ganzen Winter lebte sie mit ihren Freunden.
Sie hatte schnell erkannt, dass die liebenswerten Leute in ihrer Isolation zwar ihre Kultur und ein beispielhaftes Sozialverhalten bewahren konnten, die Jugend mangels guter Schulen jedoch keine Zukunft hat. So werden viele Kinder für eine bessere Ausbildung „nach draußen“ geschickt, wo sie die modernere Zeit kennen lernen und schnell zu der Ansicht kommen, dass das Leben wohl überall einfacher ist als in Zanskar. Die Gefahr der Entvölkerung droht und damit der Untergang einer beachtlichen Kultur.


Marianne Athenstaedt

Aus diesem Grund reiste Marianne Athenstaedt bis 2002 jährlich nach Zanskar um mit dem Bau einer Schule zu helfen. Zur Aufbesserung der finanziellen Mittel brachte sie ein Bildbändchen „Ladakh - Zanskar, Menschen und ihre Welt im Himalaya“ im Eigenverlag heraus. Der Erlös ging ungekürzt an die Zanskar-Selbsthilfe. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz und ihrer außergewöhnlichen Person konnte sie viele Menschen motivieren, sich für Zanskar zu engagieren. Mit Dia-Erzählungen und Vorträgen, auch im Rundfunk, informierte Marianne Athenstaedt über die Tätigkeit ihrer Stiftung.
Am 12. Mai 2004 hat sich Marianne Athenstaedt vor einer geplanten Dia-Erzählung über ihr geliebtes Zanskar zu einer kurzen Erholung niedergelegt. Von diesem Schlaf ist sie nicht mehr aufgewacht.
Wir, Mitglieder der Stiftung und Freunde, setzen ihre Arbeit fort. In ihrem Sinne helfen wir den Zanskari weiter.


Interview von Marion Kotta in der Reihe "Gesprächszeit" im Nordwestradio mit Marianne Athenstaedt aus dem Jahre 2003:



Radiointerview in der Reihe "hr1-MERIDIAN" im Hessischen Rundfunk mit Marianne Athenstaedt aus dem Jahre 2002:


Die Partnerorganisation SECPADS

Die Reinhard und Marianne Athenstaedt-Stiftung kooperiert von Anbeginn mit der SECPADS (Social, Education, Cultural Preservation & Development), eine gemeinnützige Gesellschaft zur Selbsthilfe, 1997 gegründet von Mr. Sonam Namgyal, er nennt sich bescheiden „Socialworker“, damals President of Buddhist Association of Zanskar, ein Nachfahre des über 1000 Jahre alten Königsgeschlechts in Zanskar, und engagierten Einheimischen.

Die SECPADS wurde gegründet mit der Hoffnung und dem Ziel, nach und nach der Jugend eine gute Ausbildung im eigenen Land bieten zu können. Für dieses Ziel wurde ein Gelände in einer Geröllhalde erworben und dort eine Schule gegründet. Vorgesehen eine Schule mit Unterrichtsangebot bis zur 8. Klasse, ein Hostel (Internat für Kinder aus fernsten Tälern und für Lehrer), ein Handwerks- und ein medizinisches Zentrum und später ein Heim für Waisen, Behinderte und Alte, sofern Großfamilien zu deren Betreuung nicht mehr zur Verfügung stehen.